[Tustep-Liste] Schriftgroessen-Modifikation im Satzprogramm

Michael Trauth trauth at uni-trier.de
Tue Jan 10 11:32:30 CET 2006


Liebe Freunde, Kollegen, TUSTEPler,

der folgende Hinweis ist nur fuer Anwender des TUSTEP-
Satzprogramms von Interesse, die in der Detailtypographie
viel Aufwand betreiben.

Sie kennen vielleicht das Problem, dass im Satzprogramm
zwei Schriften verwendet werden sollen, die nicht beson-
ders gut miteinander harmonieren - beispielsweise eine
lateinische Garamond und eine griechische Times:

------------------------------------------------------
Text Text Text Text Text Text Text Text Text Text Text
Text #g+griechischer Text#g- Text Text #g+griechischer
Text#g- Text Text Text Text Text Text Text Text Text
------------------------------------------------------

In diesem Fall sind in der Regel die Kleinbuchstaben
(Gemeinen) der Times etwas hoeher als die der Garamond,
was nicht gut aussieht. Um das Problem in den Griff zu
bekommen, konnte man bisher beispielsweise zu einer
Loesung greifen wie folgt:

------------------------------------------------------
Text Text Text Text Text Text Text Text Text Text Text
Text <g+>griechischer Text<g-> Text Text <g+>griechischer
Text<g-> Text Text Text Text Text Text Text Text Text Text
------------------------------------------------------
Satzmakros:
MAC       <g+>#g+&!k(-0,75)
MAC       <g->&!k{#g-
------------------------------------------------------

Da diese lokale Umschaltung des Schriftgrades fuer den
Brottext freilich absolut erfolgte, war sie *nicht*
brauchbar, wenn sie in einer Umgebung mit deutlich
groesserem oder kleinerem Schriftgrad (z.B. in Ueber-
schriften oder Fussnoten/Apparaten) verwendet wurde;
dort musste die Schriftgradumschaltung mit anderen
Werten erfolgen.
  Es gab ausserdem, wie Johannes Leicht vor laengerer
Zeit schon einmal hier auf der Liste angemerkt hat, da-
mit noch ein weiteres Problem: Wenn der Benutzer selbst
in einer laengeren Textpassage eine Schriftgroessen-
modifikation vornahm *und* in dieser Passage Grie-
chisch wie im o.g. Beispiel vorkam:

------------------------------------------------------
Text Text <s->Text Text Text Text Text Text Text Text Text
Text <g+>griechischer Text<g-> Text Text <g+>griechischer
Text<g-> Text Text Text Text Text Text Text Text<s=> Text
------------------------------------------------------
Satzmakros:
MAA       <g+>#g+&!k(-0,75)
MAA       <g->&!k{#g-
MAA       <s->&!k(+0:-0,25)
MAA       <s=>&!k{
------------------------------------------------------

wurde die mit dem ersten <s-> vorgenommene Groessenumschal-
tung schon beim <g+> beendet. Um dies in den Griff zu be-
kommen und etwa folgendes Resultat zu erzielen:

------------------------------------------------------
Text Text <s->Text Text Text Text Text Text Text Text
Text<s=> <g+>griechischer Text<g-> <s->Text Text<s=>
<g+>griechischer Text<g-> <s->Text Text Text Text Text
Text Text Text<s=> Text
------------------------------------------------------

war entweder grosser manueller oder einiger programmier-
technischer Aufwand noetig.

Diese Kruecken werden jetzt, nach einer unscheinbaren
Neuerung im Satzprogramm, *nicht* mehr benoetigt. Der
Programmautor hat den neuen Parameter SGM (= Schrift-
groessenmodifikation) eingefuehrt, mit dem man fuer
jede auf dem Parameter SCH angegebene Schrift in Pro-
milleschritten (und damit *relativ*!) angeben kann,
um wieviel sie verkleinert oder vergroessert werden
soll. Ein Beispiel:

-----------------------------------------------------
      * Adobe Times New Roman + Newton Griechisch:
SCH       40501 40502 40504 40503 40505 31781 31782
SGM        1000  1000  1000  1000  1000   960   960
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Es ist nicht nur moeglich, einen einzelnen Wert anzu-
geben, sondern man kann auch Wertepaare, durch ':'
getrennt (z.B. '960:1080'), angeben.

Fuer den Fall, dass Sie sich mit mir darueber freuen:
Halleluja.

Ein weiteres Problem laesst sich ebenfalls ganz ein-
fach damit loesen: Wer viel Aufwand in der Detail-
typographie betreibt, wird Versalketten (z.B. roemi-
sche Zahlen/Jahreszahlen) je nach Schrift ein kleines
bisschen kleiner setzen, um den unangenehmen Eindruck
der Klobigkeit und Sperrigkeit zu mildern. Dazu musste
er zu Mitteln greifen wie oben beschrieben - mit den-
selben haesslichen Konsequenzen. Auch das ist nicht
mehr noetig, es geht beispielsweise:

-----------------------------------------------------
      * Adobe Times New Roman + Newton Griechisch:
SCH       40501 40502 40504 40503  40501  31781
SGM        1000  1000  1000  1000 940:920   960
-----------------------------------------------------
Satzmakros:
MAA       <pt>##
MAA       </pt>##{
------------------------------------------------------

Hier wurde die als Grundschrift verwendete Schrift Nr.
40501 ein zweites Mal, naemlich im Umschaltbereich fuenf,
angegeben und fuer diese fuenfte Schrift auf SGM die
fuer Versalketten benoetigte Modifikation eingetragen.
Das fuer solche Faelle verwendete Makro <pt> schaltet
jetzt nur noch auf diese fuenfte Schrift um - damit
sind alle frueher daran gekoppelten Dreibastigkeiten
sauber vermieden.

Aber das ist noch nicht alles. Kennen Sie vielleicht
das Problem, dass manche Schriften (typischerweise
manche Griechisch-Fonts) so eng laufen, dass sich die
Buchstaben manchmal etwas beruehren? (Ich meine mich
zu erinnern, dass dies hier auf der Liste schon ein-
mal eroertert und eine Loesung dafuer gefordert wurde.)
Wer dieses Problem hatte (oder noch hat), moege sich
sich einmal den ebenfalls neuen Parameter SLW (= Schrift-
laufweite) etwas naeher ansehen, mit dessen Hilfe eine
einfache und gute Loesung moeglich ist.

Herzlichen Dank an den Programmautor und viele Gruesse
in die Runde von

Michael Trauth



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Dr. Michael Trauth                  e-mail: trauth at uni-trier.de
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